Ich schlafe aus. Es ist
schon 11 Uhr als ich ein Müsli esse und mir einen frischen
Orangensaft presse. Dann noch abspülen und dann möchte ich los
weiter nach Süden. Aber es kommt anders. Während ich noch
frühstücke bauen 3 Typen am Strand einen riesen Pavillion auf.
Immer wieder laufen sie mit noch mehr Sachen an meinem Auto vorbei.
Sonnensegel. Gasgrill. Tisch. Irgendwann sagt einer, „Du Deutsch“,
und man kommt ins Gespräch. Ja, sie bauen diese ganze Zeug nur auf
um zu viert zu grillen, wenn ich will kann ich gerne mitessen. Als
auch noch klar wird, dass sie aus Marokko sind und nicht trinken sage
ich zu. Ich verräume mein Frühstück und geselle mich dann zu den
in Spanien lebenden Marokkanern. Es beginnt ein sehr amüsanter
Nachmittag.
Sitzen am Strand, trinken
Tee, Osama hast du jetzt Angst, Kartenspiel, als sie feststellen,
dass ich es wirklich nicht kenne sind sie zu faul es mir beizubringen
und wir steigen um auf Patris, in neuer Variante, man darf sich
helfen. Der der gewinnt spielt dann mit dem der ihm gegenübersitzt
weiter mit. Dann wird gegrillt. Ich mache Salat. Es gibt 4
verschiedene Sorten Fleisch. Nach dem Essen fängt der 4te im Bunde
an mich ohne unterbrechung mit seinem Cousin verkuppeln zu wollen.
Ich erfahre, dass sie Osama Bin Laden gut finden, weil er sein Land
und sein Volk verteidigt. Nicht gut ist lediglich, dass er auch
Kinder umgebracht hat. Einer hat eine Frau / Exfrau in Marokko und
ich frage nach ob die bei seinen Eltern lebt und sich um seine Eltern
kümmert. Ich hatte gehört, das wäre in Marokko so üblich. Daraus
entsteht eine Diskussion über Altenheime. Wobei ich verteidigend
erkläre, dass einer europäischen Familie gar nichts anderes
übrigbleibt als die Alten ins Altenheim zu geben, weil das Umfald
ein anderes ist. Es gibt kaum Frauen, die nur zuhause hinterm Herd
sind. Und die meisten Familien brauchen auch beide Einkommen. Ich
räume Zweifel aus, dass in Deutschland jeder die Hälfte seiner
Miete vom Staat gezahlt bekommt. Und kläre auf, dass das nur denn
der Fall ist, wenn man keinen Job hat und bedürftig ist. Alkohol ist
den Muslimen ja verboten, Haschisch auch. Aber das wird im Gegensatz
zu Alkohol und Schweinefleisch toleriert. Und so wird fleissig
geraucht. Mit zunehmendem Haschischkonsum wird die Begeisterung mit
der die um uns herum liegenden sich in der Sonne bräunenden
spanischen Möpse betrachtet werden immer größer. Ich bin immer
noch heißer und erkältet, sitze in Comfyhose und Tshirt da und
amüsiere mich köstlich. Nach und nach werden sie dem Ruf, den die
Araber haben immer gerechter. Ich erfahre auch noch, dass sie ihre
Familien nie hier an den Strand bringen könnten, das wäre Mangel an
Respekt. Alles in allem ein sehr interessanter aber auch witziger
Nachmittag. Es ist schon Abend als ich noch die Teller spüle und
mich dann verabschiede, um noch bei Tageslicht Malaga zu verlassen.
Wieder im Auto bin ich guter Dinge. Solche Erlebnisse, das ist der
Grund zu Reisen. Ich fahre bis Fuengirola. Hier ist Feria und man
kann sie von der Autobahn aus sehen, als fahre ich runter. Es ist
halb 10 als ich parke und ich möchte eigentlich nur einmal kurz über
die Feria schlendern und dann zu Bett gehen. Aber es kommt wieder
anders.
Zuerst lasse ich mir von
eine spanische Handykarte verkaufen. Der Typ macht seinen Job einfach
zu gut und ist einfach zu sympathisch um ablehnen zu können. Nachdem
mein Telefon nun wieder über Internet verfügt verbringe ich die
nächsten Stunden damit auf der Feria auf und ab zu laufen, zu
whatsupen und zu telefonieren. Die Stimmung auf der Feria von
Fuengirola ist klasse. Jede Halle steht für ein anderes Land. So wir
in der brasilianischen Samba getanzt, vor der argentinischen Asado
gegrillt, in der kubanischen Salsa getanzt und auf Ibiza discolike
abgefeiert. Gegen Mitternacht laufe ich zum Auto zurück. Ich mache
gerade ein Foto von einem Puppenkopf, der ganz merkwürdig in einer
Straßenlaterne hängt, und komme ins Gespräch mit 2 Typen die auch
gerade den Nachhauseweg angetreten haben. Der eine, Peter, ist gerade
von einem Israelurlaub zurückgekehrt und wir verquatschen uns.
Nachdem wir eine halbe Stunde vor meinem Auto stehen laufen wir
wieder zurück zur Feria. Nachdem wir auf der Feria ein paarmal auf
und abgelaufen sind setzen wir uns in einen Park. Quatschen über
Reisebekanntschaften, die Vor- und Nachteile von Hostels, über Leute
die in Mali Gold kaufen wollen und stattdessen Sand bekommen... es
ist 3 Uhr morgens, da ist Peter halb erfroren und ich mache mich auf
den Rückweg in mein Auto um einen guten Schlafplatz zu finden. Liv
ist gerade online und so quatschen wir seit langen endlich mal
wieder. Hoffentlich wird es morgen nicht so heiß, dass ich
ausschlafen kann.
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