Am Morgen (es ist schon fast Mittag)
fahre ich als erstes zum Landyhändler zurück und bitte einen
freundlichen Mechaniker mit mir eine Runde durch den Kreisverkehr zu
fahren um mir zu sagen, was der Grund dieses Quietschens ist.
Entweder ist er tabu oder ich bin paranoid, aber er kann nichts
hören. Nach einigen Kreisen können wir uns darauf einigen welches
Geräusch ich meine und er hält es für unbedenklich. Nicht ganz
zufrieden, aber beruhigt, mache ich mich auf den Weg nach Barcelona.
Ich bin vielleicht 15 min unterwegs, als ich an einer roten Ampel
stehe. Links das Meer, rechts eine Reihe parkender Autos und ein
Cafe. Da höre ich plötzlich ein komisches Geräusch. Schaue mich
verwundert um. Und schon klopft jemand an meine Beifahrerscheibe und
macht mich darauf aufmerksam, dass ich rechts hinten einen Platten
habe. Gott sei Dank komme ich nicht so leicht an den Hebel, um das
Beifahrerfenster runterzukurbeln, also signalisiere ich dem Typen er
soll doch zur Fahrerseite kommen. Irgenwie ist mir die Situation
schon suspekt und ich schließe erst das Fenster und sperre die Tür
ab als ich aussteige. Und ja, ich habe rechts hinten einen Platten.
Noch ist er nicht ganz platt, aber man sieht die Luft förmlich
rausschießen. Von dem Typ, der eben noch an mein Fenster geklopft
hat keine Spur mehr. Ich blockiere den Verkehr. Und schließlich
helfen mir zwei Polizisten dann doch in eine Parklücke direkt neben
mir zu fahren, nachdem sie zuerst glaubten mein Auto würde nicht
anspringen und mich dann dazu bringen wollten zu einer nur 200 Meter
entfernten Tankstelle zu fahren. Inzwischen ist der Reifen ganz
platt. Nachdem ich seit kurzem ja ADAC Plus bezahle denke ich mir,
super, da kann ich gleich mal testen, ob die ihr Geld Wert sind. Und
ja, der nette Herr am Telefon spricht fliessend Deutsch, teilt mir
mit spätestens in einer Stunde kommt jemand, ich soll nicht vom
Fahrzeug weggehen und mir von niemandem helfen lassen, man würde
mich sonst nur ausrauben. Reifen werd ich wohl noch öfter wechseln
müssen, also beschliesse ich schon mal anzufangen. Mal sehen wie
weit ich komme, bis der ADAC Mensch auftaucht. Und ich finde ich
mache mich gar nicht schlecht. Mit meinen langen Hebel gelingt es mir
sämtliche Muttern am platten Reifen zu lösen. 2 Polizisten helfen
mir den Ersatzreifen vom Dach runterzuheben. Mit meinem Highliftjack
haben sie leider genauso wenig Erfahrung wie ich. Also lese ich die
Bedienungsanleitung. Jetzt weiß ich wie er funktioniert. Allerdings
fehlt mir eine Schraube, um die für den Landy notwenige Verlängerung
rutschfest zu befestigen. Ich befinde mich noch in den Tiefen meines
Auto auf der Suche nach einer brauchbaren Schraube, als der ADAC Typ
auftaucht. Ruckzuck ist der Reifen gewechselt und der kaputte Reifen
aufs Dach gehieft. Jetzt fahre ich die 200 Meter bis zur nächsten
Tankstelle und überprüfe den Reifendruck. Der Werkstatt nebenan hat
gerade Mittag also warte ich bis die Mittagspause vorbei ist. Ein
erfahrener Mechaniker flickt mir sofort Schlauch und Reifen und
erklärt mir auch genau, woran er sieht, dass der Reifen mit einem
Messer durchgestochen wurde. Jetzt zweifle auch ich nicht mehr an
meinen spanisch Kenntnissen. Da hab ich den Typen doch richtig
verstanden, der hat nicht gesagt ich hätte einen Platten, sondern,
dass mir jemand den Reifen zerstochen hat. Naja, 20 Euro fürs
Flicken und vermutlich ein dauerhaft nicht vollwertiger Reifen, aber
trotzdem alles in allem sehr gut gegangen. Erster ernsthafter
Überfallversuch und mir geht nichts ab. Plus ich weiß jetzt, dass
ich die Muttern an den Reifen aufkrieg wenns sein muss und dass
meinem Wagenheber eine Schraube fehlt. Abgesehen davon bin ich noch
wachsamer. Es ist Schlag 6 bis ich endlich bei Marco vor der Tür
stehe. In der WG ist erst kürzlich jemand ausgezogen, so habe ich
ein ganzes Zimmer um mich auszubreiten. Marco kommt gerade aus der
Arbeit und muss noch ein bisschen Schlaf nachholen. Schon bald machen
wir uns auf den Weg zu Manu Chao. Praktisch wenn sich jemand auskennt
und man nur mitlaufen muss. Wir treffen noch einen paar andere Leute,
alle italienischsprachig. Dann wird beschlossen zum Aufwärmen noch
eine kurze Botellon zu veranstalten. Rum mit Cola. Kampftrinken. Wir
kommen gerade noch rechtzeitig zum Konzert. In der Warteschlange
labere ich zufällig mit einem Deutschen, der gerade aus dem Senegal
kommt. Man verliert sich im Chao und ich halte mich an die Italiener.
Manu Chao ist ein großer Name und die Erwartungen sind nicht leicht
zu erfüllen. Er spielt seine großen Hits und es wird getanzt was
das Zeug hält. Es ist schon spät bis wir nach einem letzten
Absacker in Marcos Wohnung ankommen.
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